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Onno & Ivo bald ganz allein…

Das niederländische „Nachrichtenkarrussel“ dreht momentan einige extra Runden ;-) Die drohenden Einschränkungen auf den THC Gehalt in Cannabisprodukten sind derzeit ebenfalls ein Thema in den niederländischen Medien. Der Telegraaf meldet heute morgen, dass die von der II. Kammer hinzugerufene Experten die Regelung, nur noch Cannabisprodukte mit weniger THC Gehalt als 15% anzubieten, nicht durchführbar sei. Die Experten sind zu der Überzeugung gekommen, dass diese Regelung in den Mülleimer gehört – und so nicht eingeführt werden kann. Es knackst also derzeit an allen Ecken und Enden des Drugsbeleids den Herr Opstelten sich da ausgedacht hat – und eine dringende Überarbeitung wird empfohlen.

Unterdes meldet sich auch Onno Hoes zu Wort. Nach den gestrigen Nachrichten (welche selbst im TV verbreitet wurden) – und dem Dementi der Stadt Maastricht wieder Ausländer zu zulassen möchte Onno nun seinen lokalen Drugsbeleid überarbeiten und der jetzigen Situation anpassen. Ausländer sollen aber weiterhin „draussen“ bleiben. Seitens des VOCM (Verbund der offiziellen Maastrichter Coffeeshops) kommen allerdings die Meldungen, dass als Ziel der 01.05.2013 anvisiert wird um wieder an ALLE zu verkaufen. Heute trifft sich der Bürgermeister mir den Coffeeshopeigentümern in Maastricht und berät über die aktuelle Situation. Es bleibt also spannend! Auf der einen Seite steht die Coffeeshopvereinigung auf der anderen der Bürgermeister (sehr alleine) – der VOCM sagt das B- sowie I-Criterium mit diesem Urteil erledigt wären – Onno beharrt auf seinem Standpunkt, dass es sich „nur“ um das B-Criterium handele.

So wie es derzeit Ausschaut würde ich sagen alles läuft auf einen weiteren Prozess heraus. Prognose: Das Easy Going öffnet am 01.05.2013 für wenige Stunden seine Pforten – bis es von der Politie wieder geschlossen wird. Nun kann Marc WIEDER eine Klage einreichen – nur solange bleibt der Shop geschlossen. Sieht alles nach Zeitschindung aus – mal sehen wie lange Marc das finanziell durchhält. Der Staat hat da jedenfalls bessere Karten.

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Pressemitteilung zum AMS 420 Protest

Heute habe ich ein wenig mit Nol gechattet und dabei hat er mir seine Pressemitteilung zukommen lassen, die heute an die NL Medien raus gegangen ist. Die wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten. Vielleicht überzeugt sie den Ein oder Anderen, der noch nicht weiß, ob er fahren soll! Im übrigen wird Nol auch morgen in Maastricht anzutreffen sein.

Coffeeshops ‚feiern‘ ihr 40 jähriges Jubiläum mit einem Protest gegen die Politik von Minister Opstelten (Justiz) und Ministerin Schippers (Gesundheit).
•  Im Jahr 1973 haben Wernard Bruining und ein paar Freunde den ersten Coffeeshop in Amsterdam eröffnet, das Mellow Yellow an der Weesperzijde – was bedeutet, dass das niederländische Phänomen von geduldeten Cannabis Coffeeshops, in diesem Jahr 40 Jahre alt wird. Normalerweise würde ein 40-jähriges Jubiläum gefeiert, aber die Cannabis-Industrie sei nicht ’normal‘, behauptet die Regierung. In dem Jahr, indem die CS  40 Jahre bestehen, gibt es wenig zu feiern, der Süden des Landes leidet immer noch an den Überresten des Wietpas. Amsterdam will etwa 70 Coffeeshops schliessen und Opstelten sowie Schippers haben die Absicht, den THC-Gehalt in Cannabis-Produkten zu begrenzen. Die Minister wollen „schweres“ Cannbis mit mehr als 15% THC auf Liste 1 des BtMG einordnen – zwischen harten Drogen wie Heroin und Kokain.

Wenn die 15% THC Grenze  in Kraft tritt, ist das Leid für alle Coffeeshops und dessen Besucher nicht mehr zu überblicken, durch diese dumme Maßnahme, die es für Coffeeshops unmöglich machen wird, „starkes“ Cannabis oder Hasch zu verkaufen. Dann werden die Probleme, die  der Wietpas in den südlichen Provinzen generiert hat, zu einem nationalem Problem werden. Durch die 15% THC Grenze werden die niederländischen Cannabis-Konsumenten gezwungen sein / ihr „starkes“ Cannabis auf der Straße zu kaufen, inmitten des Tourismuses, zusammen mit vielen „anderen“ harten Drogen.

•  Das Trimbos Institut gab im vergangenen Juli bekannt, dass das Cannabis in niederländischen Coffeeshops einen Wirkstoffgehalt von 15 – 18% THC hat, somit wird der Verkauf von praktisch allen Cannabis-und Hash Sorten in Coffeeshops verboten. Hiermit wird den Strassendealern ein lukratives Geschäft in den Schoss geworfen, und die Coffeeshops werden in Konkurs gehen. Und das sollen Opstelten und Schippers nicht wissen?!

•  Aus den oben genannten Gründen ist es notwendig, gegen diese Politik und die politischen Entscheidungsträger aufzustehen und zu protestieren. Genau wie im letzten Jahr, werden wir das vor dem „Stopera“ – dem Amsterdamer Musiktheater – machen. Der offizielle „Kick-Off“ wird um 4:20 sein – so wie es traditionell in allen großen Städten bei den 420 Protesten weltweit geschieht.
Während der Protest ist buchstäblich und bildlich die „Backdoor“ eingeschlagen und offen, weil wir neben dem Protest gegen die unvernünftige Politik und Fürsprecher für die Legalisierung der Produktion von Cannabis für Coffeeshops sein wollen. Wir fühlen uns durch die wachsende Anzahl von Kommunen unterstützt welche den Gemeindeanbau zur Versorgung von Coffeeshops stimmen.
Wir hoffen, dass die niederländischen Cannabis-Konsumenten den Ernst der Situation nach der Katastrophe, die die Einführung des Wietpas im Süden im vergangenen Jahr auslöste, erkennen werden und hoffen, dass Ihr in großer Zahl kommt, um Euch an diesem Protest zu beteiligen. Die 15%-Grenze wird die Coffeeshops auch zu einer „No-Go-Area“ für niederländische Cannabisten machen, es sei denn, sie mögen starken Kaffee und schlaffe Import Ware.

Da die Coffeeshops durch diese Maßnahmen in den Konkurs getrieben werden,  werden rund 6.000 Mitarbeiter der Coffee-Shops in der Welt ohne Aussicht auf einen Job sein, wegen ihrer Vergangenheit mit Cannabis. Die Coffeeshops wollen die Legalisierung, keine Abschaffung!

Sprecher werden sein: Mario Lap – Stiftung Drugtext, Peter Lunk – Veranstalter, Nol van Schaik – Coffeeshop Unternehmer

Sonntagsumfrage: Wer kommt zu #AMS420

Nerve ich Euch schon mit dem Festival? Ich jedenfalls freu mich wie ein kleines Kind. Das tue ich zwar immer, wenn es nach Amsterdam geht, aber dieses Mal ist es natürlich etwas ganz besonderes…

Und natürlich freue ich mich besonders auch endlich mal ein paar Leute persönlich kennenzulernen!

Daher heute die Frage:

In den Kommentaren könnt ihr Euch gerne (Nick-)namentlich melden!

In der letzten Umfrage ging es um das 15%-Limit. Wird es eingeführt?

Hier das Ergebnis:

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Soma zum 15%-Limit

Gestern habe ich Peter Lunk meinen Unmut bekundet!  Hatten wir hier vor kurzem ein Interview mit Soma in Textform und Audio kommt er jetzt mit einem Video um die Ecke ;-) Immer dieses Übertrumpfen…

Spass bei Seite: Peter war bei Soma und hat ein kleines Video gedreht, indem Soma etwas zum 15%-Limit sagt. Scheint übrigens ne nette Party gewesen zu sein!


Youtube-Direktlink

Sonntagsumfrage: Wird die 15%-Grenze kommen?

Frohe Ostern Euch allen! Heute gibt es die Ostersonntagsumfrage, die sich mit der 15%-Regel beschäftigt.

In der letzten Umfrage ging es um die Bestrahlung des Mediwiets der Niederlande. Thematisiert wurde es im Soma-Interview. Das Ergebnis spricht für die Thesen Somas.

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Mögliche Folgen der 15%-Regelung

Ivo Opstelten

Ivo Opstelten

Edith Schippers

Edith Schippers

Martin van Rijn

Martin van Rijn

Nach dem Wietpas, dem I-Kriterium und der 350m-Regelung droht jetzt ein weiteres Schreckensgespenst: die 15% Regelung. Die derzeitige Regierung möchte gerne zum 01.01.2014 das in Coffeeshops geduldete Cannabis mit einem maximalen THC-Gehalt von 15% limitieren. Produkte, die mehr als 15% THC beinhalten werden dann als harte Droge behandelt. Verantwortliche Politiker dürften sein:

Ivo Opstelten,  Minister für Sicherheit und Justiz von der VVD

Edith Schippers, Ministerin für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport, ebenfalls VVD

Martin van Rijn, Staatssekretär für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport, von unseren „Freunden“ der PvdA

Ich versuche mal, ein paar Mögliche Folgen dieser Regelung zu sammeln. Ich erhebe keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, Ihr könnt in den Kommentaren gerne weitere nennen.

  • Coffeeshopbetreiber haben höhere Kosten durch das Testen der Produkte. Entweder müssen Gerätschaften und Verbrauchsmaterialien angeschafft werden, oder externe Dienstleister müssen bezahlt werden. Diese Mehrkosten müssen natürlich an den Kunden weitergeben werden. Höhere Preise dürfen den bereits vorhandenen Schwarzmarkt weiter anfeuern.
  • Viele hochpotente, legendäre Sorten dürften vom Markt verschwinden. Hätte ein Cannabis Cup in Amsterdam dann überhaupt noch Sinn?
  • Höhere Kosten für den Steuerzahler. Denn nicht nur der Coffeeshopbetreiber müsste testen, sondern natürlich auch der Staat (Polizei). Dieser muss natürlich kontrollieren.
  • Wir kennen es bereits aus den Wietpas/I-Kriterium-Gemeinden: Der Schwarzmarkt bedient die Kunden. Und diesmal auch in den „toleranten“ Gemeinden.
  • „Ehrliche“ und ambitionierte Schwarzhändler, die nur Cannabis verkaufen werden praktisch über Nacht zu Händlern mit harten Drogen. Höhere Strafen sind die Folge.
  • Synthetische Cannabinoide, die im regulären THC-Test nicht berücksichtigt werden könnten sich etablieren um weiterhin hochpotentes Cannabis zu ermöglichen
  • Die Staatsmacht hätte ein weiteres Instrumentarium, um Coffeeshops schliessen zu können.
  • Cannabis ist ein Naturprodukt und hat natürliche Wirkstoffschwankungen. Der tatsächliche durchschnittliche Wirkstoffgehalt wird also weit unter 15% sein, um „sicher zu gehen“
  • Um gleiche Wirkung von hochpotente Cannabis zu erreichen, muss der Konsument mehr konsumieren. Effektiv gesehen dürfte die 15%-Regelung die Gesundheit also eher mehr schädigen.
  • Das Importieren von Haschisch oder Outdoor-Gras wäre noch riskanter, da der „Importeur“ ein höheres finanzielles Riskio hätte. Die Qualität würde so automatisch sinken. Haschisch würde noch mehr gestreckt werden um blos nicht die 15% zu erreichen

Fakt ist: die 15%-Regelung hilft niemandem!

Zwei Sorten Cannabis in den Niederlanden

CC-Lizenz. Urheber: Philipp von Ostau

CC-Lizenz. Urheber: Philipp von Ostau

Ein beliebtes Mittel gegen Kopfschmerzen ist Ibuprofen. Ohne große Probleme kann man in jede Apotheke marschieren und sich eine Packung mit 400er Tabletten davon kaufen. 400mg Ibuprofen sind frei verkäuflich. Man kann Problemlos ne volle Tüte von den Packungen erwerben. Will man hingegen 600er oder gar 800er kaufen, geht das nur mit einem Rezept vom Arzt. Diese Regelung ist der größte Schwachsinn, da man auch einfach zwei 400er nehmen kann und man hat genau den selben Wirkstoff zu sich genommen, wie mit einer 800er. Mir persönlich erschliesst sich nicht wirklich der Sinn einer solchen Regelung.

Auf die Spitze treiben möchte es jetzt aber die Niederlande: Cannabis mit einem THC-Gehalt von mehr als 15% sollen dort ab dem 01.01.2014 aus den Coffeeshops verschwinden und wird dann wohl in Zukunft nur noch auf der Strasse bekommen zu sein. Das ist sehr nett gegenüber den Strassenhändlern, deren Existenz ja durch die Rücknahme des Wietpas und der Aussetzung des I-Kriteriums in vielen Gemeinden ja stark bedroht ist.

73740_10200941429326473_1491456050_nDieses hochpotente Cannabis wird dann in die „Liste 1“ des niederländischen Betäubungsmittelgesetz aufgenommen und damit mit harten Drogen wie Heroin gleichgestellt. Coffeeshops müssen sich dann sehr gut überlegen, was sie kaufen, denn das Eis, auf dem sie sich bewegen wird dann noch dünner als es jetzt schon ist. Die natürliche Schwankung des THC-Gehaltes kann nämlich schnell dazu führen, dass der Budtender zum Händler von harten Drogen wird. Und das wird auch in den Niederlanden hart bestraft.

Das andererseits die Niederlande im großen Stile medizinisches Cannabis mit einem THC-Gehalt von 19% (Bedrocan) produziert und auch erfolgreich ins Ausland exportiert (aktuell ca. 60kg/Jahr nach Deutschlands, Tendenz steigend) scheint dabei fast schon egal zu sein.

Die Grenze von 15% scheint dabei extrem willkürlich zu sein. Cannabis mit 14,99% THC ist also ein harmlose, weiche Droge, die toleriert werden kann, ab 15,0% THC wird es aber zur gefährlichen Killerdroge vor der man seine Bevölkerung schützen muss. Komme was wolle.

Was ist nur aus den Niederlanden geworden, die mit ihrer innovativen und vor allem auch erfolgreichen Drogenpolitik einen anderen Weg gezeigt hat? Die neue Regelung wird genau das bewirken, was der Wietpas (und später das I-Kriterium) verursachten: Einen stark ansteigenden Straßenhandel. Und diesmal werden selbst die Dealer, die nur Cannabis im Programm haben genauso behandelt wie Heroindealer. Herzlichen Glückwunsch!

Doch das ist nicht der einzige Beschluss, der die Niederlande umkrempeln wird:

So soll der Handel mit professionellem Growzubehör verboten werden. Nach der Bedrohung (und auch vielfacher Schliessung) der Coffeeshops, fürchten jetzt auch die Betreiber von Growshops um ihre Existenz. Das die selben Materialien teilweise auch in Baumärkten und Gartenzubehör-Geschäften erhältlich ist, scheint dabei völlig irrelevant zu sein.

Die weiche Droge Khat, die in den Niederlanden von vielen Einwanderern traditionell konsumiert wird, wird unter verschärfter Beobachtung gestellt, auch hier droht ein Verbot.

Das alles sind extrem beunruhigende Zeichen. Es gibt mittlerweile so viele Baustellen in der niederländischen Drogenpolitik, dass man gar nicht mehr weiß, wo man zuerst aufschreien und demonstrieren will. Und der Trend zu mehr Konservatismus hält an. In aktuellen Umfragen hat die PVV wieder enorm zugelegt. Hilfe!