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Sechs Coffeeshops in Maastricht öffnen wieder

Habe ich eben geschrieben: „Es gibt nichts aus den Niederlanden zu berichten“ ? L1-Nieuws hat mich sofort eines besseren belehrt, denn soeben wird gemeldet, dass sechs Coffeeshops wieder ihre Türen geöffnet haben – aber nur für Inländer.

Außer dem Rastafari House Boni, welches nicht dem VOCM (Vereinigung offizieller Coffeeshops Maastricht), angeschlossen ist, sind das Slow Motion, Missouri, Maxcy´s, Club 69 und Heaven 69 wieder für Einheimische geöffnet.

Wie der Vorsitzende des VOCM, Marc Josemans sagt, halten sich diese Coffeeshops nun an die Regeln und verkaufen nur noch an Einwohner der Niederlande.

Anfang letzten Monats beschlossen die Coffeeshops, nach einem Gerichtsurteil, das Einwohner-Kriterium nicht mehr zu beachten. Daraufhin wurden alle Cannabis-Geschäfte kontrolliert.

Ausreichend

Josemans glaubt, dass die sechs Shops ausreichend sind, um die Nachfrage zu befriedigen. Sollte dem nicht so sein, wird noch ein weiterer Shop öffnen. Mit dieser Maßnahme möchten die Coffeeshops die Straßendealer zurückdrängen.

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Gerichtssaal-Ticker

Der Prozess in Maastricht hat begonnen. Die SBCN (Interessenvertretung der Coffeeshopmitarbeiter) twittert live aus dem Gerichtssaal. Hier die bisherigen Tweets übersetzt in chronologischer Reihenfolge:

  • Heute Rechtsstreit Coffeeshopbetreiber und Personal – neueste Nachrichten auf Twitter unter STSBCN.
  • Am Gericht Maastricht angekommen um den Prozess um die Coffeeshopeigentümer und Personal zu verfolgen.
  • Auch die Polizei ist anwesend beim Prozess.
  • Nun im Gerichtssaal
  • Der Saal ist voll
  • 7 Angeklagte vor dem Richter in einer Reihe zusammen mit Rechtsanwalt Beckers
  • 5 Richter in einer Reihe – Prozess eröffnet
  • Richter prüft die Identität der Angeklagten
  • Die Anwesenden sind die richtigen Menschen – Personalien zur Zufriedenheit überprüft
  • Die Anklageschrift wird verlesen
  • Richter beginnt die Befragung
  • Richter sagt VCOM anstatt VOCM
  • Richter verliest Presseberichte über den VOCM und Onno
  • Erklärung eines Polizisten wird verlesen – dass die Straßendealer bei der Razzia gejubelt haben wird erwähnt
  • der Polizist erklärt viele spannende Geschichten, aber wieder nicht die Richtigen
  • Richter sagt, dass fast alle Schilderungen identisch sind. Nun werden die Namen der Käufer verlesen.
  • Mississippi wird jetzt behandelt
  • 3 Angeklagte, Polizei hat die beschlagnahmten Waren untersucht – man glaubt es nicht, es waren Softdrugs
  • die Namen der ausländischen Kunden werden genannt, ja es waren viele
  • jetzt Kosbor
  • die Käufer hatten 3 Gramm bei sich
  • Auch dort waren Ausländer drin, die Kunden sind in mehreren Shops gewesen
  • Auch das Kosbor verkauft Drogen ergibt die Untersuchung, einer der Angeklagten ist unser (SBCN) Vorstandsmitglied Ilai Domenie
  • Polizei Maastricht hat viele Kunden verfolgt
  • Nun Smokey
  • 2 Angeklagte und auch hier waren es echte weiche Drogen
  • Alle Kunden hatten weniger als 5 Gramm bei sich
  • Richter befragt Angeklagte
  • Mississippi: Angeklagter weiß, dass Softdrugs verkauft werden
  • Eigentümer des Mississippi sagt, was seine Arbeit ist
  • Ilai Domenie hat das Wort über Kosbor-Personal
  • Herr Habets hat das Wort betr. Kosbor.
  • Smokey: Türsteher und Betreiber werden befragt. Betreiber regelt alles aber macht selbst nicht viel.
  • Betreiber legt Nachbar-Kriterium aus
  • Türsteher vom Kosbor hat das Wort
  • RA Andre Beckers gibt Erklärung ab
  • Personal wurd nach den persönlichen Lebensumständen gefragt
  • Betreiber vom Mississippi gibt an, nun keine Einkünfte mehr zu haben und von Ersparnissen zu leben.
  • Türsteher vom Mississippi muss für seine Frau sorgen
  • Ilai verdient jetzt X Betrag und war 9 Monate arbeitslos. Jetzt wieder arbeitslos.
  • Betreiber vom Kosbor ist froh Miete und Personal bezahlen zu können.
  • Kosbor eigenaren legt iedere maand bij en zorgt nog steeds voor personeel.
  • Türsteher Kosbor bekommt 1200 € Arbeitslosengeld und hat 4 Kinder.
  • PAUSE
  • Gerichtssaal füllt sich wieder
  • wenn jemand die zusätzlichen Polizisten in Maastricht sucht – die sitzen alle im Gerichtssaal
  • Staatsanwalt hat das Wort
  • Er spricht über das I-Kriterium. Darauf haben alle gewartet – endlich ein Urteil in einer Strafsache
  • Staatsanwalt schwitzt stark und sagt eine Grippe sei schuld und das sei kein Angstschweiß
  • Legt ein wenig aus was das niederl. Betäubungsmittelgesetz früher enthielt. Unterschied zwischen harten und weichen Drogen
  • Staatsanwalt sagt, das die Heimanbauer im Auftrag der Shops arbeiten.
  • Staatsanwalt sagt die Konsumenten sind mit schuld am illegalen Anbau.
  • Staatsanwalt sagt das das B-Kriterium weg ist. Das I-Kriterium gelte nicht allein in Maastricht, sondern in den gesamten Niederlanden
  • Coffeeshops die sich an die Duldungsverordnung (mit I.Kriterium) halten werden nicht strafrechtlich verfolgt, sagt der Staatsanwalt
  • Staatsanwalt redet über Verfahren in Breda
  • Staatsanwalt sagt, das am 5 Mai viel los war, aber die Sache nicht aus dem Ruder lief. Er war persönlich auch in der Stadt an diesem Tag
  • Er findet, dass es nun erfolgreich läuft in Maastricht. Staatsanwalt ist davon überzeugt.
  • Staatsanw. beginnt noch mehr zu schwitzen und seine Reden sind einfach zu widerlegen.
  • Staatsanw. findet, dass Hoes von ihm unterstützt werden muss – das verdient er.
  • Staatsanwaltschaft sagt, dass sie gut mit dem Bürgermeister zusammenarbeiten
  • Staatsanwalt sagt, dass Onno eine gern gesehene Person in Maastricht ist (entweder ist er ein echter VVD-Wähler oder er wohnt sehr weit weg)
  • Bürgermeister arbeitet im Auftrag des Stadtrates sagt der Staatsanwalt (stimmt das?)
  • Kameras in Maastricht werden zum Verfolgen von Personen benutzt
  • Polizisten kauften Drogen in Shops als Beweismittel – Polizei raucht nicht, sagt der Staatsanwalt.
  • Ratsmitglied aus Maastricht kommt in den Saal
  • Polizisten müssen in Prozessen nicht ihren Namen nennen, sie werden mit Nummern angegeben.
  • Dann kommen noch mehr Polizisten in den Saal (nun ist wohl niemand mehr auf der Straße)
  • RA Beckers braucht etwa 1 1/2 Std sagt der Staatsanw.
  • Schaut heute Abend auf SBCN (Batterie war leer) und auf L1 – L1 ist auch anwesen.
  • die Forderung der Staatsanwaltschaft
  • Verwalter, Betriebsleiter: 5000 € Geldstrafe oder 75 Tage Gefängnis.
  • Türsteher und Personal: 100 Arbeitsstunden oder 50 Tage Gefängnis
  • Mittagspause
  • Es geht weiter: Strafsache Wietpas/ I-Kriterium / Coffeeshops Maastsricht – Plädoyer Rechtsanwalt André Beckers (Ab hier twittert nun nicht mehr die SBCN sondern De Achterdeur)
  • Beckers: I-Krit. im Konflikt mit höherem Recht: Art 1 grondwet; EVRM; EU
  • Staatsanwaltschaft hat nicht die Befugnis. Unrechtmäßige Erweiterung des Betäubungsmittelgesetzes. Coffeeshop hilft AHOJG zu verwirklichen. NL muss sich an Schengen-Vertäge halten.
  • Um Personen zu verfolgen, die Drogen über die Grenze schmuggeln wollen, ist kein I-Kriterium nötig
  • Coffeeshop dürfen Nicht-Einwohnern keinen Zutritt gewähren, verbindliche Vorschrift – mangelhafte Gesetzgebung
  • Diese Verpflichtungen sind nicht auf die Rechtmäßiglkeit des Betäubungsmittelgesetzes zurückzuführen.
  • EU-Recht: freier Verkehr von Waren und Dienstleistungen. Und Amsterdam, Kerkrade etc. haben kein I-Kriterium – also nicht landesweit. Es wird willkürlich vollstreckt.
  • Drogenverordnung ist eigentlich Verordnung zur Volksgesundheit. Verbrechenszahlen steigen an, mehr Overlast, Oberhalb der Flüsse (Maas und Waal) mehr Besucher in dortogen Coffeeshops.
  • Nationales Bedrohungsbild 2012; die Straßendealer übernehmen den Handel. I-Kriterium im Widerspruch zum Unionsrecht Art. 112e Prtokoll EVRM.
  • Verkappte Diskriminierung! Ungleiche Behandlung. VOCM versucht weniger einschneidenden Regeln.
  • Begrenzende Regeln von den Coffeeshops VOCM selbst. Ein Plan zum Umzug an den Stadtrand ist vorhanden. Kein I-Kriterium nötig.
  • Mit Niederländischem Ausweis darf man in die Coffeeshops, auch wenn man in Belgien wohnt. Wieso I-Kriterium? Niederländer ja – Belgier nicht? Juristisch anfechtbar. Also doch nach Nationalität!
  • Bei Nicht-Einwohnern wurde die Kleidung untersucht – das wurde Niederländern erspart.
  • Druck durch Overlast bei großen Coffeeshops größer – aber B-Kriterium abgeschafft.
  • Selbst alle Ausländer nicht in Coffeeshops lassen hat wenig Einfluss auf den Export von Cannabis aus den Niederlanden.
  • Verhalten kein Anlass nur die Abstammung. Das ist Diskriminierung. Hunderte Drugsrunner aktiv. Siehe Bericht: „Schnelle Jungs“
  • Beeindruckendes Plädoyer von RA Beckers! So viel reden warum das I.Krit. / Wietpas nicht rechtsgültig ist. Prof. Brouwer wurde zitiert.
  • Rotterdam hat viele Besucher – jetzt viel mehr. Wasserbett-Effekt. Ja – siehe De Efteling; Parkoverlast! Pass nur bei Overlast.
  • Regelung nicht Verhältnismäßig und daher nicht bindend.
  • Nicht in großem Stil verkauft. Alles unter 5 Gramm. Straßenhandel Wind aus den Segeln genommen durch Coffeeshops.
  • Willkür – Zitat aus NRC Artikel. Warum Personal jetzt bestrafen? Warum nicht freie HH (kann das so schnell nicht recherchieren) wie im Rest von NL?
  • Gesetze stehen über Verordnungen. Personal muss freigesprochen werden.
  • Jetzt Reaktion von RA Beckers auf Staatsanwaltsch. Untersuchug zeigt Fehler im Bericht der StaAnw. aus.
  • Vergleich mit Strafsache Straßendealer; Forderung 15 Arbeitsstunden und Ergebnis: Richter erlegte ihm 50 € Buße auf (Anmerkung A.P.:Ich glaub ich werd Straßendealer in Maastricht –  ist ja weniger Strafe als fürs Schwarzfahren) – die Strafforderungen gegen die CS-Mitarbeiter sind viel höher
  • 10 Minuten Pause
  • Staatsanwalt reagiert auf Plädoyer Beckers – Er ist (naturgemäß) nicht damit einverstanden.
  • Staatsanwalt: Keine Verfolgung wenn Duldungsktiterien beachtet werden. Spricht über viele Missverständnisse.
  • Staatsanwalt: Gesetz und Recht bleibt in Entwicklung. Kein Vergleich mit Checkpoint. Minderjährige unter Verwaltung, aber nicht in Strafsache (etwas zusammenhanglos – aber ich übersetze ja nur, wurde so getwittert.)
  • Grenze (zu Belgien) nur 3 km von Maastricht entfernt. Ja, Regiobesucher nennen wir das Herr Staatsanwalt. Euregional doch – außer in Coffeeshops Herr Staatsanwalt!
  • Staatsanwalt hält I-Kriterium auch für DISKRIMINIERUNG, aber eine Gerechtfertigte. Verrückter muss es jetzt nicht mehr werden.
  • StaatsAnw.: Keine Rede von Willkür. Und labert über Amsterdam. Überall eine passende Argumentation. Beginnt nun über Kriminalität und Straßendealer zu reden.
  • Staatsanwalt labert wieder: Wenn 5 Gramm in einem Shop gekauft werden anstatt 3 Gramm dürfen Kunden nicht in andere Shops gehen.
  • Ja , ihr lest richtig! Daher lass und schnell zurück zur 30-Gramm-Regel gehen, lieber Staatsanwalt. Dadurch wird mehr Verkehrsdruck weggenommen.
  • StA: BGM dient dazu Verordnung StA umzusetzen. Beginnt jetzt über Urteile zu reden und bagatellisiert es. (Manche Tweets sind leider wenig verständlich)
  • StA: lokale Anweisungen wollen, dass es in Maastricht weniger wird (ich nehme an der Drogentourismus ist gemeint)Strafsache Coffeeshops Maastricht. Ha, aber der Rest von Süd-Limburg hat kein I-Kriterium.
  • Strafverfolgung von Personal heftiger als befristete Schließungen von Coffeeshops sagt RA Beckers als Antwort auf StA.
  • Verhandlung fast zu Ende: RA Beckers verliest Schlußwort der Angeklagten.
  • Schöne Worte von Stefan aus dem Coffeeshop Mississippi
  • Verhandlung um 16 Uhr beendet. Urteil folgt am: 26. Juni um 14 Uhr vor der Strafkammer Maastricht.

Gastbeitrag: Coffeeshops und Volksgesundheit

Unser Leser „pseicoman“ ist mir kürzlich durch einen sehr eloquenten und weitsichtigen Kommentar aufgefallen, so dass ich ihn gebeten habe, doch mal einen Gastbeitrag zu verfassen. Dies hat er dann auch getan! Vielen Dank dafür!

In Radiosendungen wird neuerdings stolz betont, dass insgesamt der Cannabiskonsum zurückgeht. Gleichzeitig wird aber beklagt, dass immer mehr legale Chemie konsumiert wird. Zählt man dazu, dass aktuell zur Debatte steht, inwieweit die steigende Anzahl der computergebundenen Süchte in klinischen Diagnostiksysteme deutlicher berücksichtigt werden müsse, stellen sich mir zwei Fragen: Ist das Ziel der Cannabisprohibition mit solchen Konsumverschiebungen als gelungen zu betrachten? UND.. Zum Teufel, woher kommt dann eigentlich diese viel beschworene Overlast?

Selten wird in diesem Blog übergreifend über den Konsum gesprochen. Menschen haben ein gewisses Suchtpotential. Dem Gehirn ist es eigentlich herzlich egal, ob es durch einen Stoff oder durch ein Computerspiel gereizt wird. Und Menschen, die keinerlei Suchtpotential haben, kenne ich nicht. Gerade die große Welt der stoffungebundenen Süchte ist unendlich. Aus dieser Perspektive ist die Einteilung in gute oder schlechte Konsumarten sehr willkürlich. Besser wäre es, sich mit der Frage zu beschäftigen: Was wissen wir über welchen Stoff und kennen wir seine Auswirkungen? Es ist erstaunlich, dass man legal Stoffe erwerben kann, die zum Teil völlig unbekannt sind. Ebenso werden immer mehr Maschinen Kindern zugänglich gemacht, obwohl wir nicht wissen, welche Auswirkungen diese virtuellen Welten auf die Gehirnentwicklung haben.

Ganz anders verhält es sich mit der Cannabis-Pflanze. Sie ist uralt, noch meine Großeltern hatten eine Seilerei und haben selbstverständlich Hanf angebaut. Früher rauchten übrigens viele Menschen Hanf, weil sie zu arm waren, um sich Tabak zu leisten. Cannabis hat sehr viele positive Wirkungen, allerdings hat diese Pflanze auch negative Seiten. Wird Sie vor oder während der Pubertät konsumiert, kann sie zu psychotischen Erkrankungen und Entwicklungsproblemen führen. Alles kein Geheimnis, übrigens durchaus ähnlich wie bei Alkohol. Und das ist der Grund, warum es nicht nur Altersbeschränkungen für Alkohol, sondern auch für Cannabis geben muss. Unverständlich ist allerdings, warum die Kontrolle des Alkoholkonsums so locker gehandhabt wird, „Koma-Saufen“ zu einer etablierten Vokabel geworden ist, während Cannabis juristisch und gesellschaftlich geächtet wird.

Der Coffeeshop sollte eigentlich mal eine Lösung für dieses Problem sein. Jugendliche sollen nicht diese Stoffe konsumieren, optimal für deren Entwicklung wäre es, wenn Sie an der Schwelle zum Erwachsenenleben in diese Welt eingeführt werden und eine Konsumkultur gemeinsam mit Älteren entwickeln könnten. Doch genau dieser Gedanke ist irgendwie in Vergessenheit geraten. Wer Straßendealer den Weg bereitet, der schafft zukünftig mehr Verrückte, die übrigens langfristig auch versorgt werden müssen.

Die Coffeeshops sind dafür da, dass wir eine altbekannte Pflanze kultiviert und zusammen genießen können. Wenn diese Chance einer Konsumkultur vertan wird, dann ist es kein Wunder, dass wir nur über Grammzahlen oder die richtigen Personalausweise reden müssen. Wenn die alten Überlegungen, die zur Einführung von Coffeeshops geführt haben, mal wieder mehr präsent wären, dann könnten wir viel gesundheitlichen Schaden verhindern. Denn die Coffeeshops waren ein Referenzmodell, dass andere Länder unter Druck setzt. Am Ende sollte es einer Gesellschaft doch vor allem um die Gesundheit gehen und nicht um die Frage, welcher Stoff hat die bessere Lobby. Daher hoffe ich, dass sich die Situation in Maastricht verbessert.

Doch damit meine Vision nicht nur theoretisch ist, möchte ich Euch zum Abschied eine kleine Geschichte erzählen:

Ein Freund von mir hatte nicht richtig aufgepasst und ein Samen fand ungewollt den Weg in die Erde. Und so entstand eine riesige Pflanze, die er dann doch einfach wachsen ließ. Eines Tages blickte er aus dem Fenster. Und da stand ein alter Mann, begutachtete die Pflanze und ging. Am nächsten Tag stand der Mann wieder da, und am nächsten Tag, wieder und wieder. Irgendwann ging mein Freund dann raus und fragte den Mann, was er da machen würde. Und der alte Mann antwortete: Ja, ja, das kennen wir.. das haben wir früher auch immer geraucht.. Musst aber aufpassen, wenn Du zuviel davon nimmst, dann wirst Du „dull“ im Kopf.

Der Tag an dem in Maastricht die letzten Coffeeshops geschlossen wurden

Am heutigen Freitag wurden in Maastricht alle verbliebenen Coffeeshops, die noch geöffnet waren und an Ausländer verkauften während Polizeiaktionen geschlossen. Zufällig war ich während der gesamten Aktion, die von der niederländischen Polizei zusammen mit der sogenannten „Handhaving“ ausgeführt wurde, vor Ort in Maastricht. Morgen will Justizminister Ivo Opstelten (VVD) die Stadt Maastricht besuchen um sich vor Ort über die Lage zu informieren. Entweder wollte er zuvor endgültig „aufräumen“ oder sein Zauberlehrling und Parteifreund Onno Hoes, seines Zeichens unbeliebtester Bürgermeister Maastrichts, wollte seinen Chef beeindrucken.

gilt nun leider für alle Coffeeshops in Maastricht - Foto: Antonio Peri

gilt nun leider für alle Coffeeshops in Maastricht – Foto: Antonio Peri

Seit meinem letzten Besuch in Maastricht waren nun bereits über zwei Wochen vergangen. Damals konnte ich Marc Josemans noch im Easy Going einen kleinen Besuch abstatten. Das dies heute nicht ging und da auch meine anderen bevorzugten Shops den Razzien der letzten Wochen zum Opfer gefallen waren, beschloss ich meinen Tag in Maatricht auf der anderen Maasseite (die kleinere mit der Rechtstraat) zu beginnen, wo noch die meisten Shops offen hatten. Also stieg ich am Plein 1992 aus dem Bus und ging auf direktem Weg zum Lucky Time – einem Shop der früher auch immer ehrliches Gras verkaufte und noch nie viele Sorten auf dem Menü hatte. Dafür hoffte ich, nicht noch einmal so eine negative Überraschung wie mit dem White Rhino aus dem Missouri zu erleben. Vor dem Lucky Time sah ich als erstes eine kleine Warteschlange (Die Ausweise werden gleich vor dem Einlass kontrolliert und gescannt) und einen Polizeiwagen. Ich beschloss, mich erst einmal nicht in die Warteschlange einzureihen und ging ein paar Schritte zu dem Immobilienmakler an der Ecke und bewunderte die Maastrichter Mietpreise (ein 14 m² Zimmer in der Rechtstraat für nur 489 €). Dabei fiel mir ein Typ mit Walkie Talkie auf, der an der Ecke stand, dieser gehörte jedoch zum Shop, wie mir der Mann an der Bar im Shop auf Nachfrage erklärte. Inzwischen waren nur noch zwei Wartende vor dem Shop und so reihte auch ich mich ein und betrat kurz darauf das Lucky Time. Seit dem Umbau war ich nicht mehr hier gewesen. Ganz netter Shop finde ich. Es gab 2 Sorten Gras und 2 Sorten Hasch, die ich jedoch nicht beachtet habe. Gras gab es die Haussorte (die es da seit ewigen Jahren für 9€ gibt) Da Chronic und ein Amnesia Haze für 11 €. Wie überall in Maastricht galt auch dort nun 3 Gramm maximal pro Person.

Ich hätte mich wohl besser nicht so lange ins Lucky Time setzen und das Amnesia (was wirklich gut ist und der Preis dafür okay) genießen sollen, denn der weitere Verlauf des Tages sollte sich als dramatisch herausstellen. Mein Plan war, nach dem Lucky Time ins Maxcys zu gehen – ein weiterer ganz guter Shop, den ich auch immer mochte. Dort etwas gestrecktes zu bekommen, halte ich für unwahrscheinlich. Das Missouri an dem ich vorbeikam besuchte ich diesmal nicht. Der Plastikgeschmack des White Rhino war noch zu präsent. In der Nähe der Rechtsstraat ballte sich der „Drogentourismus“. Jedes zweite Grüppchen, das an mir vorbeilief redete von Wiet und Coffeeshops. „Wiet kopen“ und „van Luxemburg“ drangen laut als Wortfetzen an mein Ohr und ich mußte unvermittelt grinsen – wie auch derjenige der hinter mir lief und wir grinsten uns an, als ich dem Grüppchen Luxemburger hinterhersah. Ich wechselte ein paar Worte mit ihm. Er wohnte in Maastricht und kiffte nicht. Sagte aber auch ganz klar, dass es vor dem 01.05.2012 keine vergleichbare Overlast wie heute durch die Drugsrunner gegeben hätte und stimmte mir in allem was ich sagte zu. Er war jedoch nicht über den Prozess am 12. Juni und seine Auswirkungen informiert.  Als ich kurz darauf in Sichtweite des Maxcys kam, sah ich gleich zwei Polizeiwagen und ahnte Böses. Das sollte sich bestätigen, denn hinter den beiden Autos der Polizei stand gleich noch ein Geländewagen der „Handhaving“ – einer Art Ordnungsamt mit erweiterten Befugnissen, gerade im Bezug auf die Coffeeshops, und ein weiterer Streifenwagen. Eine kleine Menschentraube stand vor dem Shop. Ich wartete nicht ab, bis die Polizisten herauskamen, da ich als „Buitenlander“ gerade aus dem Lucky Time gekommen war, und bei diesem Besuch eigentlich den Kontakt zu den Maastrichter Behörden vermeiden wollte.

Der graue Tag hatte sich in Maastricht mittlerweile in einen echten Frühlingstag verwandelt und alle Wolken hatten sich verzogen. Die gute Stimmung, mit der ich mich auf den Weg zum Club 69 – dem einzigen verbliebenen Shop auf der anderen Maasseite machte, sollte jedoch ebenfalls bald verschwinden. Der Club 69 war noch geschlossen, als ich um etwa 17:30 dort ankam. Die Razzia im Maxcys fand etwa gegen 17 Uhr statt. Die einheitlichen Öffnungszeiten der Maastrichter Shops gehörten schon wieder der Vergangenheit an. Der Club 69 öffnete erst um 18 Uhr – was zu einem lustigen Missverständnis mit einem 55 jährigen Mann afrikanischer Abstammung führte. Ich dachte, er hätte das 18+ (was das Mindestalter angibt) für die Öffnungszeiten gehalten und wollte ihn aufklären. Stattdessen erklärte er mir, dass er das alles viel besser wusste als ich und ich mit meinem 12 – 23 Uhr schon wieder falsch lag.  So kam ich auch mit einem anderen Wartenden in Kontakt, der sich als sehr gut deutsch sprechender Niederländer herausstellte. Auch er war sehr gut über die aktuelle Problematik informiert – was ja auch bei Kiffern in den Niederlanden oft nicht der Fall ist. Wir hatten eine halbe Stunde Zeit zum Reden und auch er wusste bereits von der Razzia im Maxycs.

Razzia im Club 69 - Für größere Ansicht klicken - Foto: Antonio Peri

Razzia im Club 69 – Für größere Ansicht klicken – Foto: Antonio Peri

Genau sieben Minuten vor der Öffnung fuhr dann die Truppe, die ich bereits vor dem Maxcys gesehen hatte auch vor dem Club 69 vor. Oliver, mein neuer niederländischer Bekannter, hatte zuvor einer Frau das Parken erklärt und einer der Polizisten – die übriges in kugelsicherer Weste angetreten waren, wollte die parkende Frau gerade wegschicken. Da platzte Oliver beinahe der Kragen und er rief etwas auf Niederländisch zum richtigen Parken in Richtung der Polizisten und krönte das mit einigen deutschen „Arschloch!“ Ausrufen. Ich wollte als Ausländer schon im Boden versinken, doch die Polizisten beachteten weder die Beleidigung noch dass sie nun von einigen Passanten und vor dem Shop Wartenden gefilmt wurden. Vor allem warteten sie gar nicht erst, bis der Shop öffnete und Ausländer anwesend waren, sondern schlossen den Shop vor Öffnung. Ein Bus, ein Van und ein normales Auto, sowie der Jeep der Handhaving verließen die Szenerie so schnell wie sie gekommen waren. Vor dem Club 69 blieb ein coffeeshopeigener Security-Mann zurück, der sich auch nun noch vor dem geschlossenen Shop darum kümmerte, dass dort keine Drugsrunner Stellung bezogen. Diese waren auch gleich mit zwei Mann anwesend, gingen aber nur still vorbei. Ich sprach noch mit einigen – heute seltsamerweise hauptsächlich niederländischen, verhinderten Coffeeshopkunden, von denen mich einer von der Anonymous-Demo kannte und ging dann zurück Richtung Bahnhof auf die andere Maasseite. Im Maxcys waren die Angestellen noch beschäftigt, aber sie hatten ein Schild „gesloten“ ans Fenster gehängt und man konnte im Minutenabstand enttäuschte oder verärgerte Gesichter sehen. Meine nett gemeinte Empfehung zum Missouri oder Lucky Time zu gehen, sollte sich ebenfalls als kleiner Wunschtraum herausstellen. Vor dem Missouri standen zwei Security-Männer und als ich sie fragte (die Rolladen waren halb heruntergelassen) ob noch geöffnet sei, erklärten sie mir, dass auch sie und das Lucky Time in der Zwischenzeit Razzien hatten. Ich hatte das Lucky Time wohl verlassen kurz bevor sie zuschlugen und bevor sie am Club 69 aufliefen, hatten sie sich auch noch das Missouri vorgeknöpft.

Einige Polizisten trugen sogar Kugelsichere Westen - wer soll auf sie schießen? Die Straßendealer deren Geschäft sie fördern sicher nicht - Foto: Antonio Peri

Einige Polizisten trugen sogar Kugelsichere Westen – wer soll auf sie schießen? Die Straßendealer, deren Geschäft sie fördern, sicher nicht – Foto: Antonio Peri

Damit ist Maastricht nun, pünktlich zum morgigen Besuch von Justizminister Opstelten, komplett von Coffeeshops „gesäubert“. Die Straßendealer können sich freuen, und so wurde auch ich gleich nachdem ich mich von den Sicherheitsleuten des Missouri verabschiedet hatte, die mir übrigens empfahlen nach Sittard zu fahren, von einem etwa Anfang 20 jährigen dunkelhäutigen Drugsrunner angesprochen, der mit noch einem Dealer im Zweierteam unterwegs war. Ein Belgier neben mir bekam das mit und fragte seinerseits den Dealer. Es gibt nun definitiv keinen legalen Shop mehr, der an uns Abschaum verkauft und mit liebevollen Gedanken an Ivo und Onno ließ ich mich diesmal darauf ein, mit Floyd, wie sich der Straßendealer nannte und dem Belgier in eine dunkle Ecke am Küchenausgang eines Restaurants zu gehen. Der andere sicherte den Eingang zu der Ecke und stand Schmiere. Floyd hatte Amnesia Haze für 10 € pro Gramm. Es war kein Abzieher, Qualität allerdings noch nicht getestet aber auf den ersten Blick und Geruch ist es gut. Der Belgier wickelte sein Geschäft typischerweise auf französisch ab, ich sprach niederländisch. Und wohl zumindest für Floyd gut genug, um mich nicht für einen Duitser zu halten und mir gleich seine Telefonnummer anzubieten, die er mir auf Niederländisch diktierte. Für ein Interview oder eine Anfrage dazu, war in dieser Situation keine Zeit. Vielleicht lässt sich ein Interview mit einem Maastrichter Straßendealer aber noch arrangieren. Ich werde es besser vorbereitet evtl. mal mit vorheriger telefonischer Anfrage versuchen.

Bis zum 12. Juni wird sich nun nichts mehr bewegen. Ganz Limburg wartet auf den großen Prozesstag in Maastricht.

Hier noch zwei kurze Videos von der Razzia im Club 69:

Wenn mobo noch einen Picdump einrichtet, kann ich auch noch weitere interessante Fotos aus Maastricht zeigen, die keinen Platz im Artikel gefunden haben. Zwei davon möchte ich Euch jedoch nicht vorenthalten – sie fangen die Stimmung so gut ein:

Onnozel heißt: Dumm, Doof, Einfältig - genau wie den Aufkleber gesehen am geschlossenen Café To the Point, wo illegal zu Wietpas-Zeiten verkauft wurde - Foto: Antonio Peri

Onnozel heißt: Dumm, Doof, Einfältig – genau wie den Aufkleber gesehen am geschlossenen Café To the Point, wo illegal zu Wietpas-Zeiten verkauft wurde – Foto: Antonio Peri

Das ist Limburger Platt - da sieht man, wie beliebt der Bürgermeister ist - Foto: Antonio Peri

Das ist Limburger Platt – da sieht man, wie beliebt der Bürgermeister ist – Foto: Antonio Peri

Parteien in Maastricht verärgert über Polizei und Staatsanwaltschaft

MAASTRICHT – Wie Nu.nl  soeben meldet,  möchten einige politische Parteien in Maastricht sich nicht zu den Razzien in Coffeeshops am Mittwoch und Donnerstag äußern.  Der Stadtrat hatte am Dienstagabend noch mit Bürgermeister Hoes (VVD) abgesprochen, dass die Priorität auf der Bekämpfung des Straßenhandels liegen sollte.

Bis zum 12. Juni wieder geschlossen - Coffeeshop Easy Going - Foto: mit freundlicher Genehmigung von JDTV

Bis zum 12. Juni wieder geschlossen – Coffeeshop Easy Going – Foto: mit freundlicher Genehmigung von JDTV

In einer gemeinsamen Erklärung drücken PvDA, GroenLinks, D66, VVD und die zwei Fraktionen der lokalen Parteien SBM und SPM ihr Bedauern darüber aus, dass die Polizei trotzdem gegen Coffeeshops vorgeht. Diese Fraktionen bilden eine Mehrheit im Stadtrat.

Die Parteien verurteilen jedoch auch den Verkauf von Cannabis an Ausländer durch die Coffeeshops. Die Fraktionen bitten die Staatsanwaltschaft, Polizei und die Coffeeshops über ihren Schatten zu springen, und im Sinne der Stadt zu handeln.

Nachvollziehbar

Die CDA und die Ein-Mann-Fraktion Volkspartij Maastricht haben die Erklärung nicht unterzeichnet. Die CDA findet es „sehr nachvollziehbar“, dass Staatsanwaltschaft und Polizei eingreifen. Die SP und die lokale Partei PVM haben die Erklärung ebenfalls nicht unterzeichnet. Allerdings weil sie das Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaft gegen die Coffeeshops völlig ablehnen.

Limburger Medien suggerieren, dass Hoes nicht mehr Herr des Geschehens sei. Wie ein Sprecher des Bürgermeisters sagt, bestimmen Polizei und Justiz und nicht Hoes, wann Razzien stattfinden. Jedoch herrsche über die Drogenverordnung der Stadt völliges Einverständnis zwischen dem Bürgermeister, der Polizei und der Justitz.

Parlamentsanfragen

Die PvDA in der Tweede Kamer (Kein Wietpas! berichtete) hat am vergangenen Freitag Justizminister Opstelten dazu befragt. Die Parlamentsmitglieder Myrthe Hilkens und Manon Fokke wollen wissen, ob es Uneinigkeit über die Razzien in Coffeeshops zwischen Hoes, der Polizei und der Justiz gibt.

Auch fragen Fokke und Hilkens Minister Opstelten, ob die lokale Autorität des Bürgermeisters von der Staatsanwaltschaft gebrochen wurde.

Vor den Richter

Bei den Razzien am Mittwoch und Donnerstag  wurde, neben anderen, auch der bekannte Coffeeshopbetreiber Marc Josemans festgenommen. Er muss sich zusammen mit zwei weiteren Beschuldigten in Kürze vor Gericht verantworten, wie die Staatsanwaltschaft Maastricht am heutigen Freitag verkündete.

Die Verhandlungen gegen die drei Beschuldigten werden kurz nach den bereits früher angekündigten „Coffeeshopverfahren“ gegen sieben andere Beschuldigte ebenfalls am 12. Juni stattfinden. Alle Beschuldigten sind angeklagt, weil sie gegen die Drogenverordnung der Stadt Maastricht verstießen und weiche Drogen an Menschen verkauften, die nicht in den Niederlanden wohnen.

Einigung über Drogenverordnung in Maastricht

MAASTRICHT – Der Stadtrat von Maastricht möchte zusammen mit Bürgermeister Onno Hoes überlegen, ob Ausländer wieder zugelassen werden, sobald der erste Coffeeshops aus dem Stadtzentrum an die belgische Grenze umzieht. Das sagte Hoes am gestrigen Dienstag während einer Ratssitzung.

Weinhändler mag er scheinbar lieber als Coffeeshopbetreiber - Onno Hoes in der Weinhandlung "Sliterij het Raadhuis". Foto: Meisje van de Slijterij - CC-Lizenz

Weinhändler mag er scheinbar lieber als Coffeeshopbetreiber – Onno Hoes in der Weinhandlung „Slijterij het Raadhuis“. Foto: Meisje van de Slijterij – CC-Lizenz

Wie die Tageszeitung „De Telegraaf“ meldet, erwarten Hoes und der Stadtrat, dass die Coffeeshops bis zu diesem Zeitpunkt den Verkauf von Cannabis an Ausländer einstellen. Weiter wollten der Rat und der Bürgermeister nach Möglichkeiten suchen, um in Maastricht oder Süd-Limburg ein Pilotprojekt zum regulierten Cannabisanbau durchzuführen.

Rat und Bürgermeister standen sich lange als Gegner gegenüber. Alle Parteien können sich in dem nun geschlossenen Kompromiss wiederfinden, der gestern durch Onno Hoes mitgeteilt wurde.

„Es wurde ein großer Streit geführt, getrieben aus der Intention: Wir wollen das beste für die Stadt“, sagte Hoes. „Ich habe mich tief darin hineinziehen lassen.“ Hoes sagte weiter: „Damit muss es einmal gut sein.“

Hoes und die Ratsfraktionen führten daher in den vergangenen Tagen Gespräche, bei denen alle Fraktionen Klartext sprachen. Daraus entstand ein Kompromiss: Jetzt mit dem Verkauf an Ausländer aufhören, eine schnelle Entzerrung der Coffeeshops – also Umzug an die Stadtgrenze, und prüfen ob der Cannabisanbau reguliert werden kann.

Die Herstellung von Ordnung und Sicherheit ist nach Hoes die Priorität. Er wird in Kürze auch mit den Coffeeshopbetreibern über die neue Wende sprechen. Am morgigen Donnerstag wird Justizminister Ivo Opstelten in Maastricht erwartet. Opstelten will sich vor ORt über die Problememe informieren. Opstelten hatte Maastricht zusätzliche Polizei versprochen.

Hoes versprach, den Gemeinderat zukünftig zu informieren, sobald er sanktionierend gegen Coffeeshops auftritt. Aber die Aktionen gegen illegale Straßendealer haben Priorität, sagt er.

Der Sender NOS hat dazu auch einen Videobeitrag produziert.

Gastbeitrag: Ein vollständiges Konzept für die legale Produktion von Cannabis

Das Team von „Kein Wietpas!“ vergrößert sich. Ich darf Euch bei dieser Gelegenheit mit Freude unseren neuen Autor Steve Thunderhead vorstellen, den wir in diesen stürmischen Zeiten herzlich an Bord von „Kein Wietpas!“ begrüßen dürfen. Steve hat sich mit dem bemerkenswerten Konzept des Team Haarlem Coffeeshopentrepreneurs (THC) auseinandergesetzt. Dieses Konzept ermöglicht eine absolut transparente und regulierte Cannabisproduktion vom Steckling bis zur Anlieferung der verkaufsfertigen Ware im Shop. Schon das Keurmerk-Konzept des Team Haarlemse Coffeeshopondernemers (THC) funktioniert gut und ist ein Schritt nach vorne. Ist dieses Konzept der neue Coup von unserem Freund Nol van Schaik?

Immer mehr Gemeinden freunden sich mit dem Gedanken an, die Cannabispflanzen für ihre Coffeeshops selber anzubauen. So einfach sich dieser Gedanke auch anhört, so verursacht er doch eine ganze Menge Probleme bei der Umsetzung.

Doch was bedeutet die Produktion von Gemeindewiet für den Konsumenten? Ist es schlecht wenn der Staat das Monopol bei der Produktion bestimmter Güter hat? Eine Frage, die überall für Diskussionen sorgt und immer anders beantwortet wird. Gäbe es heute noch die Bundespost und ihr Monopol, dann würden wir dieses Blog wohl im Bildschirmtext lesen und immer noch eine Handvoll Farben für Telefone zur Auswahl haben. Bei anderen Dingen, wie der Wasserversorgung, ist eine große Zahl der Europäer der Ansicht, dies wäre in staatlichen Händen besser aufgehoben. Was ist der Unterschied? Nun, Wasser sollte überall gleich sein und bei Telefonen lieben wir die Vielfalt.

Ebenso im Coffeeshop. Wenn die Gemeinden mit der Cannabiszucht beginnen, werden sie höchstwahrscheinlich keinen Wettbewerb um die beste Züchtung veranstalten oder mit einer Teilnahme am Cannabis Cup liebäugeln. Sie werden eine Art „Standardgras“ anbauen und dieses in allen Coffeeshops der Stadt verkaufen. Der Cannabis Konsument hat also die Auswahl zwischen Heerlen-Skunk und Haarlem-Herer. Vermutlich wird der Unterschied nicht wirklich groß sein. Wahrscheinlich wird der Schwarzmarkt dann Menükarten einführen, denn jeder der eine gewisse Abwechslung liebt und bestimmte Sorten bevorzugt wird sich dort eindecken.

Dies wird dann natürlich zu einer Abnahme des Absatzes in den Coffeeshops und damit zu weiteren Schließungen führen. Die Anzahl der Coffeeshops in den Niederlanden wird zurückgehen und die Probleme werden mehr. Mehr illegale Straßenhändler, mehr Heimplantagen und dadurch mehr Hausbrände. Alles Probleme die mit einem durchdachten Konzept vermieden werden könnten. Das Team Haarlem Coffeeshopentrepreneurs (THC) hat ein solches Konzept erarbeitet, welches die Produktion und die Anlieferung an die Coffeeshops zu einem transparenten Prozess macht.

Dieses Konzept wurde der Stadt Haarlem als Vorschlag für eine komplett regulierte und transparente Cannabisproduktion übergeben.Das Konzept umfasst den gesamten Produktionsweg.

Insgesamt ein sehr lesenswerter Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion um den Anbau von Gemeindewiet.

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PvdA: Aufklärung über illegale Dealer in Maastricht gefordert

DEN HAAG – Die Mitglieder der Tweede Kamer (Niederländisches Parlament) Myrthe Hilkens und Manon Fokke (beide PvdA) wollen von Justizminiter Ivo Opstelten (VVD) wissen, ob auch er über Hinweise darauf, dass die illegalen Straßendealer duch die Coffeeshopbetreiber gesteuert würden, verfügt. Das behauptete Maatrichts Bürgermeister Onno Hoes am Samstag in einem Interview mit der Zeitung „Volkskrant“.

Myrthe Hilkens (PvdA) Tweede-Kamerlid - Foto: Lex Draijer (CC-Lizenz)

Myrthe Hilkens (PvdA) Tweede-Kamerlid – Foto: Lex Draijer (CC-Lizenz)

Wie die Tageszeitung „De Telegraaf“ heute berichtet, wollen Fokke und Hilkens auch von Opstelten wissen, ob er zusätzliche Polizeibeamte für Maastricht zugesagt hat und ob der Minister auch zusätzliche Polizei in andere Gemeinden in Brabant und Limburg schickt, die die gleichen Probleme mit Coffeeshops haben wie Maastricht.

Hilkens und Fokke fragen sich, ob die zusätzlichen Polizisten notwendig sind um die Overlast auf den Straßen zu reduzieren, oder um gegen die Coffeeshops vorzugehen. Die Freigabe von zusätzlichen Polizeikräften für Maastricht, bedeute das Kapazitäten woanders und für andere Aufgaben fehlen, so die Kammermitglieder. Zusätzlich möchten sie wissen, woher die Polizisten für Maastricht kommen sollen.

Die beiden Parlamentsmitglieder fragen sich, warum Hoes nach mehr Polizisten fragt, während er in der Zeitung sagt, dass „es ein paar Straßen gibt, wo etwas mehr Overlast ist als woanders.“

Kurznachrichten #3

Maastricht/Euregio: Sah es bis gestern noch danach aus, dass Bürgermeister Hoes (VVD) einknickt und auch in Maastricht das Einwohnerkriterium nicht mehr kontrolliert wird, hat sich das Bild schon wieder dramatisch verschoben. Nachdem Justizminister Opstelten (VVD) seine hunderprozentige Unterstützung für Hoes bei der Durchsetzung des I-Kriteriums in Maastricht zugesagt hat, und sich Hoes bei seinem Kollegen aus Sittard-Geleen entschuldigt hat, soll er nun doch Polizisten aus Roermond bekommen. Zusätzlich ist zu sehen, dass nun wohl gegen die Kunden der Maastrichter und Limburger Coffeeshops vorgegangen wird. Großkontrollen in Maastricht und an den Grenzen und es wird auch von Zivilpolizei in den Coffeeshops gesprochen. Die CDA schockiert mit dem Vorschlag, notfalls das Militär in Maastricht einzusetzen.

Den Haag: In einem Interview des niederländischen Senders NOS versichert Justizminister Opstelten, dass er voll hinter Bürgermeister Hoes steht und diesen auch zu 100% unterstützt: „In der Regierungserklärung steht, dass der Drogentourismus bekämpft werden soll. Das muss und das soll auch passieren. Ich habe Bürgermeister Hoes, mit dem ich in Kontakt stehe, meine volle Unterstützung zugesagt. Wenn der Bürgermeister von Maastricht zusätzliche Polizisten braucht, um gegen den illegalen Drogenhandel auf den Straßen vorzugehen, bekommt er die. Er braucht nur einen Plan zu erstellen und dann erhält er zusätzliche Kräfte der nationalen Polizei“, so Opstelten gestern.

Maastricht/Sittard-Geleen: wie L1 meldet, hat sich Bürgermeister Hoes bei seinem Kollegen Sjraar Cox von Sittard-Geleen entschuldigt. Am Donnerstagabend hatte Hoes in der TV-Sendung L1LT sein Befremden darüber ausgedrückt, dass die Bürgermeister von Sittard-Geleen und Roermond nichts gegen Coffeeshops unternehmen, die an Ausländer verkaufen, obwohl dies so unter den limburger Bürgermeistern abgesprochen gewesen sei. Hoes hat laut einem Sprecher der Gemeinden Sittard-Geleen am gestrigen Freitagabend angerufen und sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass seine Aussage nicht stimmt. Sittard-Geleen wendet sehr wohl das Einwohnerkriterium an. Bei Roermond hat sich Hoes dagegen nicht entschuldigt. Die Gemeinde Roermond erwartet jedoch ebenfalls eine Entschuldigung.

Maastricht: In einem Telefoninterview mit dem Sender NOS sagte Hoes gestern Nachmittag, das Problem zu wenige Polizisten zu haben um zu kontrollieren, ob sich die Coffeeshops an die Regeln halten und gleichzeitig gegen die Overlast durch die illegalen Straßendealer vorzugehen sei gelöst. Entgegen früherer Zusagen gäbe es nun keine Beschränkung mehr bei der Anzahl der Polizisten, die Hoes vom Justizministerium zur Verfügung gestellt werden. Die nationale Polizei werde Aufgaben in Maastricht übernehmen. Hoes nennt das Verhalten der Coffeeshopbetreiber erneut eine Provokation, auf die er entsprechend reagieren müsse. Damit würden Menschen nach Maastricht gelockt, die dann Overlast verursachen und es würden dadurch auch Straßendealer angezogen. Er versuche das Rechtssystem so gut wie möglich aufrechtzuerhalten.

Roermond: Gestern Abend um kurz vor 23 Uhr meldet L1, dass Bürgermeister Hoes nun doch 5 zusätzliche Polizisten aus Roermond bekommt. Das sagte Loco-Bürgermeister (stellvertretender Bürgermeister) Wim Kemp von Roermond. Er ist über den Verlust von 5 Beamten verärgert. Justizminister Opstelten hatte am Freitag zugesagt, dass Hoes zusätzliche Polizisten bekommt. Ob auch andere Gemeinden Polizeibeamte an Maastricht abgeben müssen, ist nicht bekannt.

Euregio: Bereits vorgestern Abend fand in der Euregio (D/NL/B) eine gemeinsame Großkontrolle an den Grenzen statt, wie L1 gestern meldet. Dabei wurden auch erstmals die Kameras eingesetzt, die die Niederlande an jedem Autobahngrenzübergang installiert haben. Es wurden ca. 1000 Autos und 22 Züge kontrolliert. Die Aktion richtete sich hauptsächlich gegen Drogenschmuggel und Diebstahl. 22 Menschen wurden mit kleinen Mengen Drogen erwischt. Vier Personen wurden festgenommen. Drei von Ihnen wegen Drogenbesitz und eine Person weil gegen sie ein Haftbefehl vorlag. Ein 45 jähriger Autofahrer hatte 600 Gramm Cannabis bei sich. Bei einer Frau wurden 100 Gramm Cannabis und 200 Gramm Amphetamin gefunden.

Den Haag: ED.nl meldet, dass die CDA notfalls das Militär einsetzen will, um die Drogenkriminalität in Maastricht zu bekämpfen. Laut CDA ist Justizminister Ivo Opstelten (VVD) viel zu lasch bei der Unterstützung für Maastricht, das mehrfach um Hilfe ersucht hat. „Opstelten redet viel über die Bekämpfung des Drogentourismus, aber er handelt nicht“, so Tweede-Kamer-Mitglied Peter Oskam. Die CDA möchte, dass Maastricht zusätzliche Polizeibeamte erhält. Sollte das nicht funktionieren, muss die Armee eingesetzt werden.

Provinz Limburg: Am heutigen Samstag schreibt die Tageszeitung De Limburger, dass die Polizeibeamten, die in Maastricht eingesetzt werden sollen, doch aus Limburg kommen. Das ist gegen die getroffene Absprache. Innerhalb der Polizei wird befürchtet, dass diese Anordnung verminderte Polizeikapazitäten auf den Straßen im Rest von Limburg verursacht. Verschiedene Quellen aus der Politik haben das bestätigt. Es soll um 25 Polizisten gehen – 5 aus jedem Polizeidistrikt in Limburg. Im vergangenen Monat sprachen sich die Bürgermeister der acht Coffeeshopgemeinden in Limburg noch ab, die Polizeikapizitäten unangetastet zu lassen.

Lenkt Hoes jetzt ein?

In einem TV-Interview des niederländischen Senders L1, hat Bürgermeister Hoes gestern Abend einige überraschende Dinge gesagt. Nun schließt selbst Hoes nicht mehr aus, dass Ausländer doch in Kürze auch ganz offiziell wieder willkommen in den Maastrichter Coffeeshops sein werden.

Im Format L1LT sagte Hoes gestern Abend, dass er mit der heutigen Polizeikapazität nicht mehr lange auskommt. Hoes braucht Polizisten um Coffeeshops schließen zu können und gleichzeitig gegen die Straßendealer vorzugehen. Diese verhalten sich immer aggressiver.

Öffentliche Ordnung

Lange hat Hoes an der Softdrugs-Verordnung seiner Stadt festgehalten, aber nun scheint er vorsichtig zurückzurudern. Hoes hält sich nun die Möglichkeit offen, das Einwohnerkriterium nicht mehr zu kontrollieren. Das Einwohnerkriterium legt fest, dass Auländer nicht in niederländische Coffeeshops dürfen, sofern das im Sinne der öffentlichen Ordnung ist.

Befremdlich

Weiter sagte Hoes, dass er es befremdlich finde, dass die Bürgermeister von Sittard und Roermond nichts gegen die Coffeeshops unternehmen, die an Ausländer verkaufen. Die limburger Bürgermeister hatten sich eigentlich abgesprochen, die Verordnung gemeinsam durchzusetzen, so Hoes.

Hoes sollte sich endlich einen Ruck geben, und dem guten Beispiel von Nijmegen folgen. Der dortige Bürgermeister Hubert Bruls (CDA) ist ja nun auch bekanntlich kein Freund der Coffeeshops, aber doch ein Mann mit Einsicht, der nach knappen 3 Wochen das getan hat, was Hoes nun nach über einem Jahr andeutet. Er kontrolliert ganz einfach das Einwohnerkriterium nicht mehr. Wie in einem Modellversuch konnte man in Nijmegen die Stadt mit und ohne I-Kriterium sehen und daraus eine einfache und logische Konsequenz ziehen. Das hat Bruls schnell getan – wann folgt Hoes endlich?